Iyi günler!
Hier mal wieder ein paar Berichte aus Istanbul! Die letzten drei Wochen waren sehr ereignisreich.. und ich habe nach meinem 14-taegigen Urlaub auch endlich mein Praktikum begonnen. Es war aber eine gute Idee, erst ein paar Tage hier zu verbringen und sich vertraut zu machen mit der Stadt und der Umgebung. Auf dem Weg zu manchen Orten kommt man dabei auch durch Gegenden von Istanbul, in denen nicht schicke Boutiquen und teure westliche Laeden das Strassenbild praegen, sondern Wohnblöcke und aermliche Hütten aus Blech und Pappe. Die Strassen sind schlammig und löchrig, kaputte Autos stehen am Strassenrand. In diese Gegenden kommt der normale Tourist wohl eher nicht, doch genau diese Gegensaetze zwischen arm und reich, traditionell und modern praegen diese Stadt. Ein Besuch des Grossen Basars, des aegyptischen Gewürzbasars und einer Moschee ist schon sehr interessant!
In den ersten 14 Tagen hatte ich so Zeit, noch ein paar Tage in Griechenland zu verbringen. Hier in Istanbul ist auch ein Student aus Thessaloniki (Griechenland), den wir auf einer 'Balkanparty' in einer Wohnung von Freunden kennengelernt haben. Die Party wurde von Studenten vom Balkan organisiert.. und es gab eine Reise durch Osteuropa - angefangen bei Slivovitz und endend bei Ouzo :-) Da die Wohnung nicht in der Naehe unseres Dorm war, hat ein Gast der Party, der die lokalen Schnaepse nicht getrunken hatte,angeboten uns nach Hause zu fahren. Gerne haben wir das Angebot angenommen, so konnten wir den 25-minütigen Fussmarsch sparen. Aber da wir den Istanbuler Verkehr kennen, haetten wir lieber abgelehnt. Es wurden naemlich die schlimmsten 10 Minuten Autofahrt meines Lebens. Der Typ fuhr mit einem Tempo jenseits der Schallgrenze und mit mehrmaligen Spurwechsel die Sekunde zu unserem Studentenwohnheim. Ich glaube 12 Vollbremsungen waren nötig, um nicht Fussgaenger und andere Fahrzeuge zu rammen. Beim Kapitel 'Rote Ampeln' hatte er auch wohl die Fahrschulstunde versaeumt. Da man sich in seinem Corsa auch nicht anschnallen konnte und wir ein wenig überrascht waren von der Fahrweise, haben wir ihn den Hinweis gegeben, wir haetten es wirklich nicht eilig und er brauche sich nicht so sputen, doch das nahm er nicht wahr. Alle Versuche, ihn zu bremsen waren erfolglos und wir waren nach den 10 Minuten froh, überlebt zu haben! Ich habe mir nach der Fahrt geschworen, nie wieder im Istanbuler Autoverkehr mitzufahren!
Aber zurück zu dem Griechen, sein Name ist übrigens Themis. Er hatte gehört, dass Hanmin und ich einen Trip nach Griechenland planen und hat uns sofort angeboten, uns zu helfen. Er hat ein paar Telefonate geführt und uns bei der Planung der Reise geholfen. Eigentlich wollte ich auch nach Athen, doch es haette bedeutet, eine weitere Reise von 10 Stunden zu buchen. Also sind wir nur nach Thessaloniki mit dem Nachtzug gefahren, das bedeutete 14 Stunden im Zug. Glücklicherweise konnte man ja schlafen und so sind wir morgens in Griechenland aufgewacht. Die Zugkarten hier in Istanbul zu kaufen war auch eine schöne Sache! :-) Wir waren am Bahnhof in Istanbul, um die Tickets zu kaufen. Der Beamte am Schalter konnte aber kaum Englisch und verwies uns auf das Informationsbüro. Dort wartete eine verkleinerte Version von Danny de Vito - ein kleiner ca. 50 jaeriger Mann mit Halbglatze - und begrüsste uns freundlich. Er versprach uns zu helfen und fragte ob wir ein wenig Zeit haetten. Wir dachten er würde uns über Thessaloniki erzaehlen, aber er griff in seine Tasche und holte seine Englisch-Lernmaterialien heraus. Wir sollten ihm bei seinen VHS-Hausaufgaben - Simple present und present progressive - helfen! :-) Wir taten unser Bestes und danach bekamen wir auch sogar Tipps für die Reise! Die Tickets werden hier im Übrigen noch per Hand ausgefüllt. Nach ca. 30 Minuten hat man dann die begehrten Dokumente in der Hand..Wir wurden von einem Freund von Themis dann am Morgen in Thessaloniki abgeholt, bei dem wir auch übernachten konnten. Es war wirklich sehr nett mit ihm und seinen Freunden, die uns abends in das thessalonikische Nachtleben eingeführt haben und uns den besten Ouzo der Stadt zeigen konnten.Drei Tage hatten wir so Zeit, uns die zweitgrösste Stadt Griechenland anzuschauen. Sehenswert sind die alten byzantinischen Gebaeude und die Altstadt. Allerdings reicht es, dafür einen Tag einzuplanen...Am Samstag früh ist Hanmin weiter nach Athen gefahren, wo er bis Mittwoch bleiben wollte. Also habe ich mir noch zwei interessante Museen angeschaut bevor ich am Samstag abend wieder zurück nach Istanbul gefahren bin, da mein Praktikum ja am Montag beginnen sollte.
In der Zwischenzeit sind übrigens auch neue Trainees angekommen, Mohammed aus Aegypten und ein Japaner. Da neue Betten in den Schlafsaal gestellt wurden, habe ich die Gelegenheit genutzt und bin von dem oberen Bett in das untere umgezogen! Yeah! ;-) Das ist schon fast wie ein 5***** Hotel jetzt!!
Seit dem letzten Montag habe ich allerdings keine Zeit mehr, um zu Reisen, denn mein Praktikum hat nun begonnen. Mit meinem Buddy Yasemin, die mich zur der Firma begleitet hat, ging es morgens los in den asiatischen Teil von Istanbul. So kam ich in den Genuss meiner ersten Fahrt mit der Faehre über den Bosporus, was wirklich ein schönes Erlebnis ist!Allerdings war es schon sehr schwierig, auf der asiatischen Seite den richtigen Dolmus(Minibus) in Richtung Firma zu bekommen. Nach gut 2 Stunden waren wir dann endlich da. An der Endhaltestelle angekommen, mussten wir uns durch den Schnee (!) kaempfen um zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen. Es ist eine kleine Zweigstelle von einer Tochter von ThyssenKrupp, die hier im türkischen Markt Edelmetalle importieren, bearbeiten und an türk. Abnehmer verkaufen. Im Büro arbeiten etwa 20 Personen, im Lager nochmal 15. Sehr praktisch ist, dass nicht nur Casual Friday, sondern auch Casual Monday bis Thursday ist! So kann ich meinen Anzug im Schrank lassen und brauche keine Hemden zu bügeln! :-)Die Mitarbeiter sind alle wirklich nett und hilfsbereit. Die meisten hier sprechen englisch, viele können sogar deutsch. Allerdings muss ich naechste Woche mit einer Kollegin zusammenarbeiten, die kaum englisch spricht. Das könnte vielleicht etwas schwierig werden. Meine Aufgabe ist es im Moment, für das FMIS (Financial Management Information System) die notwendigen Daten zu beschaffen und den Bericht auf englisch vorzubereiten. Das Projekt beginnt jetzt erst, ich bin froh dass ich an einem Projekt vom Anfang bis zum Ende mitarbeiten kann und nicht irgendwelche Sachen kopieren und stempeln muss. Die Zeit - ich muss von 09.00 bis 18.00 Uhr arbeiten, geht schnell um. Allerdings dauert die Fahrt zurück mindestens 90 Minuten, da der Feierabendverkehr alle Strassen verstopft und man nur ım Stau steht. Die Firma bietet Shuttlebusse an, der mich und andere Kollegen zurück nach Europa bringt. Dort muss ich noch in einem Stadtbus wechseln der in Richtung Dorm faehrt. Gegen 20.00 Uhr bin ich zurück, um 06.30 Uhr muss ich morgens aufstehen. So bleibt nicht mehr viel Zeit, nach der Arbeit viel zu unternehmen und mit den anderen Trainees essen wir noch etwas ode schauen eine DVD an..
Zeit für Ausflüge zu interessanten Staellen der Stadt bleibt so nur am Wochenende. Am letzten Mittwoch waren wir allerdings auch unterwegs. Wir haben Karten für das ChampionsLeague Spiel Fenerbahce gegen AC Mailand bekommen. Die günstigsten Tickets kosteten etwa 25 Euro, und wir waren inmitten der verrückten Fans von Istanbul. Da dies das erste internationale Match einer türkischen Mannschaft war nach dem Skandalspiel gegen die Schweiz, waren natürlich alle gespannt auf die 'Hölle'. Die Stimmung im Stadion ist wirklich einzigartig. Wiklich alle Zuschauer haben Trickots oder aehnliche Verkleidungen, und die Pauken stimmen ein in die Fangesaenge die waerend des gesamten Spiels nicht abreissen. 90 Minuten peitschen die Fans die Mannschaft an, leider konnte ich die Sprechchöre nicht verstehen.. AC Mailand hat 4:0 gewonnen und so konnten wir leider keine Siegesfeier miterleben, sondern nur gefrustete Fans, die eine Heimklatsche zu verkraften hatten! Trotzdem war es ein tolles Erlebnis!!
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