Sonntag, November 27, 2005

Istanbul - Griechenland / Praktikum / Champions League

Iyi günler!


Hier mal wieder ein paar Berichte aus Istanbul! Die letzten drei Wochen waren sehr ereignisreich.. und ich habe nach meinem 14-taegigen Urlaub auch endlich mein Praktikum begonnen. Es war aber eine gute Idee, erst ein paar Tage hier zu verbringen und sich vertraut zu machen mit der Stadt und der Umgebung. Auf dem Weg zu manchen Orten kommt man dabei auch durch Gegenden von Istanbul, in denen nicht schicke Boutiquen und teure westliche Laeden das Strassenbild praegen, sondern Wohnblöcke und aermliche Hütten aus Blech und Pappe. Die Strassen sind schlammig und löchrig, kaputte Autos stehen am Strassenrand. In diese Gegenden kommt der normale Tourist wohl eher nicht, doch genau diese Gegensaetze zwischen arm und reich, traditionell und modern praegen diese Stadt. Ein Besuch des Grossen Basars, des aegyptischen Gewürzbasars und einer Moschee ist schon sehr interessant!


In den ersten 14 Tagen hatte ich so Zeit, noch ein paar Tage in Griechenland zu verbringen. Hier in Istanbul ist auch ein Student aus Thessaloniki (Griechenland), den wir auf einer 'Balkanparty' in einer Wohnung von Freunden kennengelernt haben. Die Party wurde von Studenten vom Balkan organisiert.. und es gab eine Reise durch Osteuropa - angefangen bei Slivovitz und endend bei Ouzo :-) Da die Wohnung nicht in der Naehe unseres Dorm war, hat ein Gast der Party, der die lokalen Schnaepse nicht getrunken hatte,angeboten uns nach Hause zu fahren. Gerne haben wir das Angebot angenommen, so konnten wir den 25-minütigen Fussmarsch sparen. Aber da wir den Istanbuler Verkehr kennen, haetten wir lieber abgelehnt. Es wurden naemlich die schlimmsten 10 Minuten Autofahrt meines Lebens. Der Typ fuhr mit einem Tempo jenseits der Schallgrenze und mit mehrmaligen Spurwechsel die Sekunde zu unserem Studentenwohnheim. Ich glaube 12 Vollbremsungen waren nötig, um nicht Fussgaenger und andere Fahrzeuge zu rammen. Beim Kapitel 'Rote Ampeln' hatte er auch wohl die Fahrschulstunde versaeumt. Da man sich in seinem Corsa auch nicht anschnallen konnte und wir ein wenig überrascht waren von der Fahrweise, haben wir ihn den Hinweis gegeben, wir haetten es wirklich nicht eilig und er brauche sich nicht so sputen, doch das nahm er nicht wahr. Alle Versuche, ihn zu bremsen waren erfolglos und wir waren nach den 10 Minuten froh, überlebt zu haben! Ich habe mir nach der Fahrt geschworen, nie wieder im Istanbuler Autoverkehr mitzufahren!


Aber zurück zu dem Griechen, sein Name ist übrigens Themis. Er hatte gehört, dass Hanmin und ich einen Trip nach Griechenland planen und hat uns sofort angeboten, uns zu helfen. Er hat ein paar Telefonate geführt und uns bei der Planung der Reise geholfen. Eigentlich wollte ich auch nach Athen, doch es haette bedeutet, eine weitere Reise von 10 Stunden zu buchen. Also sind wir nur nach Thessaloniki mit dem Nachtzug gefahren, das bedeutete 14 Stunden im Zug. Glücklicherweise konnte man ja schlafen und so sind wir morgens in Griechenland aufgewacht. Die Zugkarten hier in Istanbul zu kaufen war auch eine schöne Sache! :-) Wir waren am Bahnhof in Istanbul, um die Tickets zu kaufen. Der Beamte am Schalter konnte aber kaum Englisch und verwies uns auf das Informationsbüro. Dort wartete eine verkleinerte Version von Danny de Vito - ein kleiner ca. 50 jaeriger Mann mit Halbglatze - und begrüsste uns freundlich. Er versprach uns zu helfen und fragte ob wir ein wenig Zeit haetten. Wir dachten er würde uns über Thessaloniki erzaehlen, aber er griff in seine Tasche und holte seine Englisch-Lernmaterialien heraus. Wir sollten ihm bei seinen VHS-Hausaufgaben - Simple present und present progressive - helfen! :-) Wir taten unser Bestes und danach bekamen wir auch sogar Tipps für die Reise! Die Tickets werden hier im Übrigen noch per Hand ausgefüllt. Nach ca. 30 Minuten hat man dann die begehrten Dokumente in der Hand..Wir wurden von einem Freund von Themis dann am Morgen in Thessaloniki abgeholt, bei dem wir auch übernachten konnten. Es war wirklich sehr nett mit ihm und seinen Freunden, die uns abends in das thessalonikische Nachtleben eingeführt haben und uns den besten Ouzo der Stadt zeigen konnten.Drei Tage hatten wir so Zeit, uns die zweitgrösste Stadt Griechenland anzuschauen. Sehenswert sind die alten byzantinischen Gebaeude und die Altstadt. Allerdings reicht es, dafür einen Tag einzuplanen...Am Samstag früh ist Hanmin weiter nach Athen gefahren, wo er bis Mittwoch bleiben wollte. Also habe ich mir noch zwei interessante Museen angeschaut bevor ich am Samstag abend wieder zurück nach Istanbul gefahren bin, da mein Praktikum ja am Montag beginnen sollte.


In der Zwischenzeit sind übrigens auch neue Trainees angekommen, Mohammed aus Aegypten und ein Japaner. Da neue Betten in den Schlafsaal gestellt wurden, habe ich die Gelegenheit genutzt und bin von dem oberen Bett in das untere umgezogen! Yeah! ;-) Das ist schon fast wie ein 5***** Hotel jetzt!!
Seit dem letzten Montag habe ich allerdings keine Zeit mehr, um zu Reisen, denn mein Praktikum hat nun begonnen. Mit meinem Buddy Yasemin, die mich zur der Firma begleitet hat, ging es morgens los in den asiatischen Teil von Istanbul. So kam ich in den Genuss meiner ersten Fahrt mit der Faehre über den Bosporus, was wirklich ein schönes Erlebnis ist!Allerdings war es schon sehr schwierig, auf der asiatischen Seite den richtigen Dolmus(Minibus) in Richtung Firma zu bekommen. Nach gut 2 Stunden waren wir dann endlich da. An der Endhaltestelle angekommen, mussten wir uns durch den Schnee (!) kaempfen um zu meiner Arbeitsstelle zu gelangen. Es ist eine kleine Zweigstelle von einer Tochter von ThyssenKrupp, die hier im türkischen Markt Edelmetalle importieren, bearbeiten und an türk. Abnehmer verkaufen. Im Büro arbeiten etwa 20 Personen, im Lager nochmal 15. Sehr praktisch ist, dass nicht nur Casual Friday, sondern auch Casual Monday bis Thursday ist! So kann ich meinen Anzug im Schrank lassen und brauche keine Hemden zu bügeln! :-)Die Mitarbeiter sind alle wirklich nett und hilfsbereit. Die meisten hier sprechen englisch, viele können sogar deutsch. Allerdings muss ich naechste Woche mit einer Kollegin zusammenarbeiten, die kaum englisch spricht. Das könnte vielleicht etwas schwierig werden. Meine Aufgabe ist es im Moment, für das FMIS (Financial Management Information System) die notwendigen Daten zu beschaffen und den Bericht auf englisch vorzubereiten. Das Projekt beginnt jetzt erst, ich bin froh dass ich an einem Projekt vom Anfang bis zum Ende mitarbeiten kann und nicht irgendwelche Sachen kopieren und stempeln muss. Die Zeit - ich muss von 09.00 bis 18.00 Uhr arbeiten, geht schnell um. Allerdings dauert die Fahrt zurück mindestens 90 Minuten, da der Feierabendverkehr alle Strassen verstopft und man nur ım Stau steht. Die Firma bietet Shuttlebusse an, der mich und andere Kollegen zurück nach Europa bringt. Dort muss ich noch in einem Stadtbus wechseln der in Richtung Dorm faehrt. Gegen 20.00 Uhr bin ich zurück, um 06.30 Uhr muss ich morgens aufstehen. So bleibt nicht mehr viel Zeit, nach der Arbeit viel zu unternehmen und mit den anderen Trainees essen wir noch etwas ode schauen eine DVD an..


Zeit für Ausflüge zu interessanten Staellen der Stadt bleibt so nur am Wochenende. Am letzten Mittwoch waren wir allerdings auch unterwegs. Wir haben Karten für das ChampionsLeague Spiel Fenerbahce gegen AC Mailand bekommen. Die günstigsten Tickets kosteten etwa 25 Euro, und wir waren inmitten der verrückten Fans von Istanbul. Da dies das erste internationale Match einer türkischen Mannschaft war nach dem Skandalspiel gegen die Schweiz, waren natürlich alle gespannt auf die 'Hölle'. Die Stimmung im Stadion ist wirklich einzigartig. Wiklich alle Zuschauer haben Trickots oder aehnliche Verkleidungen, und die Pauken stimmen ein in die Fangesaenge die waerend des gesamten Spiels nicht abreissen. 90 Minuten peitschen die Fans die Mannschaft an, leider konnte ich die Sprechchöre nicht verstehen.. AC Mailand hat 4:0 gewonnen und so konnten wir leider keine Siegesfeier miterleben, sondern nur gefrustete Fans, die eine Heimklatsche zu verkraften hatten! Trotzdem war es ein tolles Erlebnis!!

Sonntag, November 20, 2005

Istanbul - Fotos 03 - Griechenland

Im Hintergrund die Altstadt und das Meer



An der Akropolis, der alten Festung der Stadt



Die Prachtstrasse mit exklusiven Hotels


Statue in der Innenstadt

Promenade am Mittelmeer - Lemon (l.), unser griechischer 'Reiseführer' und Hanmin

Der Nachtzug von Istanbul nach Thessaloniki - 12-14 Stunden Fahrt. Habe zum Glück die meiste Zeit geschlafen...

Istanbul - Fotos 02 - Dorm + Altstadt

Typisches Strassenbild in der Altstadt von Istanbul. Die Gassen sind sehr eng und immer voller Menschen und Fliegenden Haendlern, die lautstark ihre Ware anbieten. Dazwischen draengeln sich hupende LKWs und Taxen...

Im Wohnheim/Dorm. Links Suvi aus Finnland und Kestas aus Litauen, am Tisch Hanmin aus Südkorea.

Das Studentenwohnheim: Im weissen hinteren Bau (Mitte) befindet sich das Wohnheim für die Studenten der Universitaet, im neueren vorderen Teil ist unsere 'WG' und der Eingang.

Fotos 01 - Sultanahmet

...vor der Blauen Moschee mıt ihren 6 Minaretten. Eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Istanbuls.. Wenn man sie betreten will, muss man wie in jeder anderen Moschee auch, die Schuhe ausziehen und sie in die Hand nehmen...

Der "Grosse Basar ". In den vielen überdachten Gassen gibt es alles was das Tourisctenherz begehrt. Man sollte allerdings vorsichtig sein, die Preise sind z.T. astronomisch. Wer hier nicht handelt, wird kein Schnaeppchen machen können!

Blick aus dem Aiesec-Büro in Beyoğlu auf Karaköy, wo sich auch das Wohnheim befindet; auf das gegenüberliegende Sultanahmet und das Goldene Horn, die Bucht und gleichzeitig "der grösste natürliche Hafen der Welt".

Sonntag, November 13, 2005

Istanbul - Aus der Luft

Satellitenaufnahme von Istanbul

Im Norden sieht man das "Schwarze Meer" im Süden das Marmara Meer.

Das Studentenwohnheim ist in Beyoğlu noerdlich des Goldenen Horns (Bucht). Die Firma liegt in Ümraniye, im östlischen asiatischen Teil Istanbuls.

Donnerstag, November 10, 2005

Istanbul - Merhaba!

Seit Dienstag nun bin ich in der türkischen Metropole. Und mein Portemonnaie habe ich schon verloren. :-(Doch nun von Anfang an. Es war direkt am Dienstag. als ich in Essen (D) aus dem Zug stieg. Meine Geldboerse hatte ich in eine Tasche am Koffer gesteckt, ohne zu wissen dass die Unterseite der Tasche auch auf war, so dass sich das gute Stück unbemerkt auf den Bahnsteig fallen liess. Zum Glück lief Sanja hinter mir her, sonst waere der Trip schon am Essener Hbf zuende gewesen... :-)

Also bin ich mit dem kompletten Gepaeck doch noch am Istanbuler Flughafen angekommen. Dort sollte mich mein 'Buddy' Yasemin abholen, ich würde sie an einem Schild mit der Aufschrift Aiesec erkennen hatte sie mir in der Email gesagt. Doch am Ausgang standen ca. 14 Tausend Menschen (geschaetzt), alle hielten ein Schild mit einem Namen, einer Firma etc. hoch sodass ich erst nach einiger Zeit Yasemin fand. Ich dachte für einen Moment dass Pamina - unsere ital. Gastschwester - vor mir steht, da die Aehnlichkeit schon überraschend war! Mit dem Bus ging es dann zu dem Studentenwohnheim, in dem ich wohnen sollte. Von meinen 10 Zimmergenossen war nur eine Amerikanerin da, die anderen, ein Inder, eine Finnin, noch eine Amerikanerin, ein Rumaene, ein Koreaner, eine Thailaenderin, ein Maedchen aus Taiwan, eine Bulgarin... sollte ich am Abend noch kennenlernen. Alle sind wie ich Praktikanten und bleiben/sind für 3 býs 12 Monate hier. Der Schlafsaal ist für Jungs und Maedels unterteilt, es gibt dazu eine Küche, Toiletten, Duschen usw. Es ist ein wenig wie eine grosse WG, da wir in einem eigenen Gebaeudeteil untergebracht sind und in dem Wohnheim selber nur für das Internet und zum Waesche waschen sind. Das Wohnheim bietet jeden Morgen frische Broetchen etc an, die jedes Mal von Mitarbeitern des Wohnheims in unsere Küche gestellt werden. Auch Wasser/Sprudel wird immer angeboten. Ausserdem kommt jeden Tag das Putzteam, um unsere Wohnung zu saeubern.. :-) Daran kann ich mich schnell gewoehnen... Etwas laenger wird es wohl dauern, nicht sein eigenes Zimmer zu haben und im Hochbett zu schlafen...Naja.

Nachdem die Koffer im Dorm untergebracht waren, hat mein Buddy mýr eine türk. Simkarte organisiert und mich in die Istanbuler Küche eingeführt - Mante und Boerek und ein extrem süsser Nachtisch.Am Abend gab es dann dýe erste Wasserpfeife in einem der vielen Cafes in der Naehe mit einigen anderen Praktikanten. Die Wasserpfeýfen heissen hýer Nargile und ich kann jetzt verstehen, warum Dirk und Oli von Aegypten und den Pfeifen so schwaermten! Dazu gab es den bekannten Apfeltee und so konnte man es sich auf den bequemen Sýtzsaecken gemütlich machen und die Mitbewohner naeher kennen lernen. Gestern Abend habe ich mich in dem Istanbuler Aiesec Büro mit Yasemin getroffen, und zusammen mit Mehmet, mit dem ich bisher nur per Email Kontakt hatte und einigen anderen gýng es dann in eine der vielen Bars, wo wir Efes, ein wirklich leckeres türk. Bier probiert haben. Natürlich haben wir uns auch über Fussball unterhalten. Hier scheint jeder fussballverrückt zu sein, auch die Maedels diskutieren lautstark mit, ob nun Galatasaray oder Besiktas der bessere Verein ist. Hier kennen alle natürlich auch C.Daum, der als grosser Trainer gilt. Auch Lothar Matthaeus erfreut sich hier einer grossen Beliebtheit! :-) Für naechste Woche habe ich mit mit Aykut zu einem Besuch von Besiktas verabredet! Wenn es klappt, wird es bestimmt ein interessantes Erlebnis.

Gestern habe ich mir dann zusammen mýt Hanim, dem Koreaner die naehere Umgebung angeschaut und er hat mir alles wichtige gezeigt. Das Istanbuler Leben ist sehr chaotisch. Die Strassen sýnd zu jeder Tageszeit voll mit Leuten, von den Minaretten der Moscheen klingen die Muezzine mit ihren Gebetsrufen, der Verkehr ist dýe reinste Katastrophe. Wenn die Türkei mýt den Unfallzahlen im Strassenverkehr europaweit an der Spitze ist, so führt innerhalb der Türkei Istanbul noch mit grossem Abstand. Vorsicht ist also geboten, um nicht von einem vorbeifahrenden Taxi oder Dolmus überfahren zu werden. Verkehrsregeln macht sich hier jeder selbst, als wichtigstes Hilfsmittel gilt dabei die Hupe!Das Wohnheim ist sehr zentral in Istanbul gelegen und es ist nur ein kurzer Fussweg zum Haupteinkaufszentrum, wo man alles kaufen kann. Istanbul wirkt hierbei wie jede andere suedeuropaeische Stadt, Frauen mit Kopftuch sieht man in diesem Teil der Stadt nur ganz selten, alles ist sehr westlich und modern. Die Stadt erinnert ein wenig an die sueditalienischen Staedte, die Sanja und ich im Sommer besucht haben.

Da mein Praktikum erst am 21.November beginnt, habe ich noch einige Zeit, mir die Stadt anzuschauen und den touristischen Teil meines Aufenthaltes zu absolvieren. Werde davon mal einiges berichten...Bis dann!