Vom 6. bis zum 14. Oktober war es endlich soweit, worauf die ganze Stadt seit langem zu gewartet hatte: Das Pilarfest - oder auch korrekt: "Fiesta zur Ehren unserer Jungfrau Maria de Pilar".Kleine historische Kunde: Nach einer erwürdigen und antiken Überlieferung, kam die Jungfrau Maria, als sie bereits in Jerusalem gestorben war und bevor sie in das Himmelreich aufstieg, nach Zaragoza um den Apostel Santiago zu konsultieren. Dabei hat sie eine Säule (spanisch: "pilar") hinterlassen, um die nacheinander mehrere Kapellen errichtet wurden.
Heute ist der 12. Oktober ein nationaler Feiertag - Anlass für viele Auswärtige, in die Stadt zu kommen und am Festprogramm teilzunehmen: Eröffnungszeremonie, Blumengabe an die hl. Jungfrau, Rosenkranzprozession, Musikkonzerte auf Bühnen in der ganzen Stadt und im Fussballstadion, Tänze, Sportveranstaltungen, Ausstellungen, Feuerwerke, aragonesische Folklore, Stierkämpfe, Märkte ... und vor allem: tägliche Fiestas bis in die Morgenstunden.
Wichtiges Utensil dabei war für alle Personen während der ganzen Pilarwoche ein rot-schwarz-kariertes Halstuch. Jedes Stadtfest hat angeblich sein spezielles Erkennungszeichen....
Zusätzlich sind in der ganzen Stadt die "Peñas" unterwegs: Festvereine von etwa jeweils 100 Mitgliedern, die mit ihren Kapellen für gute Laune sorgen. Gekleidet sind die Mitglieder dabei alle gleich, z.B. mit weißer Hose und grünem Hemd. Gerne wurde man tief auch in der Nacht oder in aller Frühe von Pauken und Trompeten geweckt, da wieder mal eine Peña vor meinem Fenster auf der Straße herzieht . Kleines Beispiel-Video:
Zudem war die Pilarwoche die Geburtstunde einer vielleicht großen Fernsehkarriere: Auf dem Weg nach Hause fragte uns (Bernd und mich) ein TV-Team des Regionalsenders ARAGON-TV (berichtete ständig live von dem Fest...), ob sie uns kurz interviewen dürften. W
ir sollten berichten, was wir bisher von dem Pilarfest gesehen hätten. Da wir an diesem Tag bisher kaum mehr als das Oktoberfest besucht hatten, haben wir also kurz im perfekten Spanisch erläutert, was die Unterschiede zu dem in München sind... Zum Abschluss sollten wir noch kurz "Ein Pro-sit, ein Pro-sit...." auf deutsch singen.... Und das alles live. "Das war der Startschuss in ein besseres Leben als Superstar - voller Drogen, Sex und Rock 'n Roll!" :-)OFRENDA de FLORES y FRUTAS und BAILES
Am 12. Oktober, dem Hauptfesttag, ziehen jedes Jahr ab früh morgens mehr als 400.000 Leute in Richtung Kathedrale, um dort knapp 8 Millionen Blumen zu einer gigantischen Blumenpyramide anzuhäufen, an deren Spitze eine Marienfigur trohnt. An diesem Tag zieht jeder Aragonese seine traditionelle Tracht an und die Stadt ist voll von Menschen.Um dieses Spektakel nicht zu verpassen, mussten wir direkt nach der nächtlichen Fiesta (die üblicherweise bis 07.00 Uhr dauert), dem obligatorischen Frühstück (Churros mit Chocolate) und der morgentlichen Vaquilla (Stierrennen s.u.) auf den Hauptplatz pilgern. Dank donnernder Kampfjets, die verschiedene Formationen über der Stadt flogen, schliefen wir dabei nicht ein.. :-)

MÚSICA & FIESTAS
Kein Stadtfest ohne ordentliche Fiestas! Und davon hatte Zaragoza in den letzten Tagen genug zu bieten, die einzige Frage, die sich stellte, war: "Wohin gehen wir heute abend??" Zur Auswahl standen regelmäßig verschiedene Festgelände, an denen oft zunächst mehr oder weniger aktuelle und bekannte Bands spielten. Zu den "Pet Shop Boys", "Travis" und zu Rod Steward bin ich allerdings nicht gegangen... Zu "Dover" allerdings leider auch nicht... -
Die Eintritts- und Getränkepreise hielten sich in Grenzen - vielleicht auch deswegen waren die Partys überfüllt mit Menschen. Ein Brauch vieler spanischer Jugendlicher ist dabei die Botellón (Botella = große Flasche): vor der Party, auf öffentlichen Plätzen und Straßen versammeln sie sich zum gemeinsamen Alkoholkonsum und Feiern, vornehmlich mit 1-1,5 Literflaschen. Danach geht es dann weiter zu den Fiestas.Desweiteren standen auch zwei verschiedene Oktoberfeste zur Auswahl: "Original typisch deutsche Getränke, Speisen und Musik" wurde angekündigt. Dass hieß selbstverständlich: Bratwurst, Haxe, Veltins aus Masskrügen und bayrische Kapellen. Dazu sangen die Spanier "Ein Prosit - ein Prosit - der Ge-müt-lich-keit!" Sehr witzig wenn Spanier "Oans, zwoa gsuffa" rufen! :-) Wenn man vom Oktoberfest genug hatte, gab es nebenan auch eine große Kirmes, die mich aber nicht allzu sehr gereizt hat...
Alternative zu den Festzelten war das Altstadtviertel mit unzähligen Bars und Kneipen. Sonst sind diese schon oft überfüllt, während der Festwoche war es noch ein wenig voller... Leider habe ich es so nicht mehr geschafft, Heike zu treffen, die aus Burgos mit einigen Freunden nach Zaragoza gekommen war...In der Stadt verteilt waren auch etliche Bühnen (vielleicht vergleichbar mit Osnabrücker Maiwoche oder Münsteraner Stadtfest??), die Bands allerdings waren mir alle nicht bekannt... -
TOROS und VAQUILLAS
Was verbindet man mit Spanien? - Stierkampf? In der spanischen Gesellschaft mehr als umstritten, aber in der Pilarwoche fanden trotzdem jeden Tag Veranstaltungen in der Arena statt. Dabei konnte man zwischen zwei sehr verschiedenen Angeboten wählen.
1.)
Zum einen der traditionelle Stierkampf, der vor allem durch streng geregelte Durchführung und fester Rituale gekennzeichnet ist. Es treten nacheinander 3 Matadore auf, die jeweils 2 "Kämpfe" bestehen. Wir hatten uns eine andere Art des Stierkampfes angeschaut, bei der ein Reiter gegen den Stier antritt. Es war schon beeindruckend, wie dressiert das Pferd war und trotz der Gefahr durch den Toro nicht aus der Fassung zu bringen war.
Aber der Stierkampf hat auch eine andere Seite, nämlich wenn der Stier brutal abgeschlachtet wird und das Publikum dabei völlig aus dem Häuschen gerät. Wenn der Matador nach der Meinung des Leute einen großen Kampf gezeigt hat, fordern sie durch das Winken von Taschentüchern eine Trophäe für den "Helden". Der oberste Vorsitzende kann sie dann gewähren: Ein oder zwei Ohren des Stieres, bei besonderer Leistung auch gerne den Schwanz dazu. Bei der stolzen Ehrenrunde danch auf den Schultern seiner "Trainer" wirft der Matador diese dann gerne ins Publikum.
Stierkampf scheint für mich alles in allem eine fragwürdige und grausame Tierquälerei zu sein. Es ist nicht unbedingt mein Wunsch, nochmal zu dieser Art von "Unterhaltung" zu gehen...

Das Publikum bei dem traditionellen Stierkampf setzt sich hauptsächlich aus zwei Gruppen zusammen: Ältere Spanier zwischen 60 und 100 Jahren - und den Touristen. Die überwiegende Mehrheit der Jugendlichen in Spanien lehnt den Stierkampf ab, viele zeigen dies unter anderem durch Demos z.B. vor der Arena. Es war schon ein denkwürdiges Bild: Eine Straßenseite mit den Senioren (Durchschnittsalter 70, auf dem Weg zur Corrida) - und auf der anderen Seite die jungen Leute, die nicht verstehen wollten, wie man sich an der Qual des Stieres ergötzen kann.
Die Arena - mehr als 200 Jahre alt und eine der ältesten in Spanien.
2.)
Die "Vaquillas" sind völlig anders. Sie finden nicht am frühen Abend wie der Stierkampf statt, sondern während der Pilarwoche jeden Morgen um 08.00 Uhr.
Das bedeutet für den Spanier, dass man nach der Fiesta, die normalerweise gegen 7 Uhr endet, und nach dem Frühstück - vorzugsweise heiße zähflüssige Schokolade mit in Fett gebackenem Spritzgebäck - mit kleinen Augen und Kater zu dem Stiertreiben geht. Wobei allerdings Schlafen hier nicht angebracht ist: Ein verrückter junger Stier mit Ansätzen von Hörnern rennt durch die Arena und einige Mutige (meistens Männer zwischen 15 und 35) versuchen, die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich zu lenken und ihn dann z.B. zu überspringen oder ihm gekonnt auszuweichen. Das Publikum ist im Gegensatz zum Stierkampf sehr jung, der Durchschnitt liegt vielleicht bei Anfang 20...
Das bedeutet für den Spanier, dass man nach der Fiesta, die normalerweise gegen 7 Uhr endet, und nach dem Frühstück - vorzugsweise heiße zähflüssige Schokolade mit in Fett gebackenem Spritzgebäck - mit kleinen Augen und Kater zu dem Stiertreiben geht. Wobei allerdings Schlafen hier nicht angebracht ist: Ein verrückter junger Stier mit Ansätzen von Hörnern rennt durch die Arena und einige Mutige (meistens Männer zwischen 15 und 35) versuchen, die Aufmerksamkeit des Stieres auf sich zu lenken und ihn dann z.B. zu überspringen oder ihm gekonnt auszuweichen. Das Publikum ist im Gegensatz zum Stierkampf sehr jung, der Durchschnitt liegt vielleicht bei Anfang 20...
Alle 5 Minuten wird der Stier von zwei dicken Milchkühen abgeholt und der nächste Bulle wird in die Arena gelassen. Blut fließt bei den Vaquillas nicht und auf den Rängen, wo die Penas mit ihren Kapellen versammelt sind und dem Publikum einheizen, herrscht eine unglaubliche Partystimmung.
Die Mitte der Arena steht dabei allen offen, und so haben auch wir (Alex, mein Tutor uns ich) uns wagemutig in die Mitte gestürzt, während die Mädels lieber von der Tribüne aus zuschauen wollten. Wenn der Stier einem zu nahe kommt, bleibt einem immer noch der rettende Sprung über die Wand oder die Flucht auf die Plattform in der Mitte. (Wobei der ein oder andere Stier auch den Sprung auf die Plattform schafft und diese sich dementsprechend schnell leerte....)

Mein Tutor allerdings kam einmal zu spät und der Stier nahm ihn auf die Hörner: Das Ergebnis waren u.a. blaue Flecken, ein gestauchter Arm und ein Foto in der Zeitung am nächsten Tag.
Normalerweise gehen die Vaquillas glimpflich für alle Beteiligten, inkl. des Stieres, aus.
Es war alles in allem eine total verrückte Sache...
Es war alles in allem eine total verrückte Sache...
FUEGOS ARTIFICIALES
Eine weitere Sache, die die Leute auf die Straßen und Plätze treib, war das all-abendliche Spektakel am Himmel. Jeden Tag wurde an einem anderen Ort der Stadt ein großes Feuerwerk präsentiert. Zum Abschluss, am Sonntag, gab es an der Kathedrale direkt am Ebro das große Abschlussfeuerwerk. Ca. eine halbe Stunde dauerte dieses, danach war das Pilarfest offiziell beendet und irgendwie freute man sich schon wieder auf ruhigere Tage... ;-)
Beim Pilar 2008 könnte ich mir allerdings wieder gut vorstellen, nach Zaragoza zu kommen......








